Mosevej 124, Virksund, DK-7840 Højslev

 

 

DER LIMFJORD

 

Fährt man am Nordufer des Limfjords von Hals aus nach Westen, so drängt sich einem über weite Strecken der Eindruck auf, der Limfjord wäre allenfalls eine zwischen fetten Marschen abgestellte Badewanne, gestrichen voll mit Wasser und hübschen weiβen Segeln darauf. Dem ist aber nicht so! Nur erschlieβen sich einem die heiter-besinnliche Limfjordlandschaft, ihre kleinen Dörfer und Städte, nicht sofort, sieht man vom reizvollen Ålborg ab, Dänemarks viertgröβter Stadt. Verträumt und weltabgeschieden lassen sie en eiligen Gast ziehen, bevor er sie richtig wahrgenommen hat.

 

Wo beginnen? Vielleicht bei Ulvedybet, einem Vogelreservat ganz in der Nähe von Gjøl am Nordufer des Limfjords gegenüber von Ålborg. Seltene Vögel brüten im Sommer hier, im Herbst fallen Zugvögel in Scharen in Ulvedybet ein, die nach Millionen zählen. Fahren Sie über den Deich, der Ulvedybet vom Limfjord trennt, westwärts und bleiben dabei auf den kleinen Nebenstraβen möglichst dicht am Limfjord, so erreichen Sie nach ungefähr 15 km Fahrstrecke bei Alsbjerg im Hvissehøj Dänemarks eigenartigstes Ganggrab mit zwei Beikammern. Das übrige Dänemark kennt kaum Gräber dieser Art, während sie in der Bretagne und auf den Britischen Inseln häufiger vorkommen.
 

Aggersborg, das groβe Wikingerlager am Limfjord, lassen wir links liegen. Das gröβte und interessanteste Vogelschutzgebiet nördlich der Alpen - Bygholm Vejle - mag als Name hierfür stehen, aber es ist ein ganzes System von Fjorden, Untiefen und Seen,bevölkert mit Unmengen auch seltener Vögel - Bygholm Vejle umfahren wir, Thisted ist das Ziel. Jens Peter Jacobsen, einer der wenigen dänischen Dichter, die mit einem  Werk, gemeint ist "Niels Lyhne", in die Weltliteratur vorstieβen, hat hier sein kurzes Leben verbracht. Geboren wurde er in einem kleinen Fischerhaus aus dem 17. Jahrhundert, das am Jens-Peter-Jacobsen-Plads bei der Skolestræde zu finden ist. Im Museum ist ein Gedenkzimmer für ihn eingerichtet, begraben ist er auf dem alten Friedhof. In Ihrer Bibliothek finden Sie sicher eine deutsche Ausgabe des "Niels Lyhne".
 

Von Thisted aus können Sie über Hurup nach Vestervig fahren, wo  die gröβte Dorfkirche Dänemarks steht. Ein Gedenkstein erinnert an ein in ganz Dänemark bekanntes Liebespaar. Waldemar der Groβe hatte seiner Schwester, Liden Kirsten, eine Verbindung mit ihrem Geliebten, Prinz Boris Henriksen, verboten. Als sie ein Kind gebar, lieβ der König sie hinrichten und in Vestervig beerdigen, der Prinz wurde geblendet an den Eingang der Klosterpforte gekettet. Die Sage erzählt, daβ die Kette lang genug war, dem Prinzen zu erlauben, sich täglich zum Grab seiner Geliebten zu schleppen.

 

Von Vestervig aus ist es nicht weit zur kleinsten Dorfkirche Dänemarks in  Lodbjerg, einer schlichten Winzigkeit von Kirche mit dicken Mauern, durch deren Fenster Sie wiederum Vestervig Kirche sehen können. Die Landschaft um dieses kleine Gotteshaus bezaubert durch ihre stille Melancholie, ein Insichruhen, über das die Wolken huschen und Licht auf Land und Wasser zaubern.  Glauben Sie das mit der kleinsten Kirche nicht, was übrigens auch einige Dänen nicht tun, fahren Sie auf die Insel Venø im Limfjord und messen Sie die dortige Kirche aus. Sie soll 2 cm kleiner sein.

 

Haben Sie noch soviel Geduld, oder etwa die Grabkammer bei Alsbjerg ausgelassen, die wegen ihrer Merkwürdigkeit sehenswert ist, dann werfen wir noch einen Blick auf die schönste Grabkammer Dänemarks bei Lundehøj. Das Hinweisschild steht, von Thisted her gesehen, vor Heltborg auf der linken Seite. Im Bauernhof, zu dem Sie von der Hauptstraβe A 11 abbiegen, gibt man Ihnen Talglicht und Schlüssel. Kein Geringerer als Frederik VI bezahlte die Kosten für die Ausgrabung aus seiner Privatschatulle und bekam dafür einen Weg zum Ganggrab angelegt, über den Seine Königliche Majestät standesgemäβ in einer Kutsche zu den Kulturzeugnissen seiner Vorfahren rollen konnte. An der Südostseite des Hügels öffnet sich Ihnen das Dunkel einer 5000jährigen Ge-schichte ein wenig. Thy - Land zwischen Meer und Fjord - geschlagen mit Natur und abnehmenden Einwohnerzahlen, verlassen wir über die Oddesundbro.

 

Unser Ziel ist Spøttrup, nordwestlich von Skive am Südufer des Limfjords, eine um 1300 erbaute Burg mit wechselhafter Baugeschichte, die aus der strengen mittelalterlichen Geometrie am Ende eine Schnapsfabrik machte, bis der Staat sie 1937 aufkaufte und renovierte; heute ist sie das besterhaltene Exemplar mittelalterlicher Burgen in Dänemark - Spøttrup also steht zur Wahl - oder aber Hjerl Hede, ein Freilichtmuseum in wunderbarer Natur mit alten und sehr alten Bauernhäusern unter der Überschrift "Den gamle landsby" (Das alte Dorf). Seine Ergänzung, "Den gamle By"  (Die alte Stadt), steht in Århus.

 

Neben Roskilde auf der Insel Sjælland(Seeland) und Ribe in Südjütland ist Viborg eine der ganz alten Städte Dänemarks, die in früheren Jahrhunderten eine wesentlich gröβere Bedeutung hatten als heute. Am Schnittpunkt uralter Handels- und Heerwege, die von Ost nach West und in Nord-Süd-Richtung verlaufen, findet sich schon um 700 eine Siedlung, später war Viborg lange Zeit die Hauptstadt Jütlands. Wichtige Ereignisse konnten nur auf dem Viborg Thing beschlossen werden, z.B. wenn eine Königswahl anstand. Westlich sind bei Mønsted die Kalkgruben zu besichtigen, die bereits Gorm der Alte um 900 ausbeutete und die bis 1953 Kalk lieferten. Unter anderem sind der Dom zu Ribe und Schloβ Gottorf bei Schleswig mit Kalk aus diesen Gruben erbaut, die die Einheimischen auch heute noch die "Königsgruben" nennen.

 

Von Viborg aus führen einige stille Seitenstraβen über Løgstør und Ålborg immer am Limfjord entlang wieder nach  Hals, einen kleinen dänischen Ort, als Attraktion die Wirbel eines Wales und ein paar Walroβzähne auf- und ausgestellt, 1000 oder gar 2000 Menschen. Für den schnellen Reisenden: ein Kaff, Unterbrechung der Straβe, drei Häuser, vorbei, nichts weiter. Was sonst auch, es ist nun einmal nicht mehr. Das Hals Hotel hat unterm Dach ein Restaurant eingerichtet: man sieht hinunter auf den Limfjord, wo die kleine Fähre eilig hin und her dümpelt, wie eine Spinne scheint sie Fäden von hüben nach drüben zu ziehen, unermüdlich. Rechts, weit rechts hinter Ålborg, hört man im Schilf die Rohrsänger und Krickenten, Liden Kirsten erleidet ihr Schicksal, auf Lundehøj werden Steine zu einem Grab getürmt. Nach links hin, wo der Limfjord sich zur Ostsee weitet, kämpft Harald Gråpels, König in Norwegen, seinen letzten Kampf - ihn selbst, seine Mannen, seine Schiffe, alles wird der Limfjord begraben. Harald Blåtand, König in Dänemark, hat ihn freundlich eingeladen und hier verräterisch erschlagen. Auch Hals gründet tief.

 

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